24 Sep 2009
Aus und vorbei
Eine Regatta aufgeben zu müssen, ist immer eine traurige Angelegenheit. Bei der wichtigsten Regatta einer Kampagne auszuscheiden ist eine einschneidende Erfahrung – eine emotionale Achterbahnfahrt ein Wechsel aus Wut, Frustration, Trauer und dem Gefühl alle enttäuscht zu haben und immer wieder die Frage warum ich und welche Fehler habe ich gemacht. Die Frage nach dem Fehler ist natürlich quatsch, wenn man mit Treibgut kollidiert und sich den Kiel und die Kielaufhängung beschädigt. Unweigerlich fällt man jedoch in ein tiefes schwarzes Loch nach der Aufgabe.
Auch vor dem Ausscheiden lief die erste Etappe des Transats alles andere als glatt. Nach einem sehr guten Start und Platz 3 am Anfang der ersten Nacht, sah alles sehr sehr vielversprechend aus. Das Drama zeichnete sich jedoch schon ab, denn der Autopilot funktionierte wieder einmal nicht richtig. Bei einem Spiwechsel in der ersten Nacht kam der erste Nackenschlag. Das Boot schlug beim bergen des Spis quer und endete flach auf dem Wasser liegend. Es dauerte gut eine Stunde bis das ganze Chaos beseitigt war. Danach versuchte ich mit dem Code 5 verlorenen Boden wieder gut zu machen, was auch gut funktionierte bis der Stopper des trimmbaren Wasserstags brach, wieder Chaos wieder gut eine Stunde aufräumen. Beim ersten Morgenlicht checkte ich alles durch und segelte wieder unter Spi und versuchte so wieder Anschluss an die Spitze zu bekommen. Als ich später auf den Code 5 wechselte kollabierte die Spibaumaufhängung (war wohl bei dem Knockdown der ersten Nacht beschädigt worden) Die Reparatur verschlang gut 2,5 Stunden, die ich wieder nur mit Groß und Genua absolvieren musste mit einem Autopiloten der immer schlechter funktionierte. Als alles repariert war ging es mit Code 5 und gerefften Groß weiter bei mittlerweile 7 Windstärken mit Topspeeds von bis zu 20 Knoten. Bei Einbruch der 2. Nacht wurde mir das alles ein wenig zu heftig, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Autopilot mittlerweile so gut wie gar nicht mehr funktionierte und die Wellen ein wenig brutal wurden. Also barg ich den Code 5 und segelte unter Genua weiter. Trotz all der Problem war ich am nächsten Morgen – nach ein wenig Schlaf in der Nacht – guter Dinge noch einigermaßen dabeizusein und den Schaden was das Ergebnis betriff,t so im Rahmen zu halten, dass ich bei der zweiten Etappe weiterhin die Chance hätte auf das Poduim zu segeln. Zumal ich es geschafft hatte, den Autopiloten zu reparieren, so dass er 80%ig funktionierte. Mein Rückstand auf Platz 1 betrug nur ca. 50 Meilen, das war noch in Schlagdistanz und ich war strategisch gut positioniert.
Dann der Schlag gegen den Kiel und ein knirschendes Geräusch, der Schlag war nicht sehr hart und das Knirschen eigentlich nicht unbedingt beunruhigend bei den brutalen Bedingungen. Als ich Minuten später herunterging, um das Boot zu checken sah ich dass die Leeseite des Kielkastens gebrochen war und Wasser ungehindert in das Boot eindrang. Mir war sofort klar, dass dieser Schaden final ist. Innerhalb von Minuten stand das Wasser 30 cm hoch und ruinierte die gesamte Elektronik.
Ich rief per Funk ein Begleitboot und berichtete von den Problemen, sie wollten mich wegen der herrschenden Bedingungen zur Aufgabe des Bootes bewegen, was ich verweigerte. Nach 5 Monaten die ich am Boot mitgebaut habe und einer Saison segelns war mir das Boot ans Herz gewachsen – NEIN – ich würden unsere Mare.de nicht so einfach aufgeben und sich selbst überlassen. Ich bat das Begleitboot auf Stand-by zu bleiben. Falls die Kielaufhängung komplett kollabieren sollte könnten sie mich ja immer noch retten.
So segelte ich mit dem vollgelaufenen Boot nach La Coruna, im Hinterkopf immer noch die Hoffnung in den erlaubten drei Tagen alles zu reparieren und so noch in der Wertung zu bleiben. Die Inspektion des Kiel am nächsten Morgen zerstörte jedoch diese Hoffnung zu groß waren die Schäden am Kiel.
Was bleibt ist eine totale Leere, aber irgendwie muss das Leben ja weiter gehen. Zum Glück darf ich weiter segeln und so in der nächsten Saison zeigen was in unserer „Mare.de“ steckt. Und die Lehren aus diesem 2 ½ Tagen Transat ziehen – aus den Fehlern die gemacht wurden lernen und das Boot verbessern.
Kampagnen wie diese sind immer ein fortwährender Lernprozess und ich finde wir haben uns in den letzten 2 Jahren unglaublich gesteigert. Wir liegen auf Platz drei der Mini Jahreswertung, wir waren bei jeder Regatta vorne dabei und waren das erste deutsche Mini Team, welches in der Classe Mini den Franzosen paroli bieten konnte und haben eine große Regatta gewonnen (als erster deutscher Mini!), dass ist schon nicht so ganz schlecht.
An dieser Stelle will ich mich nochmals ganz herzlich bei meinem Sponsor Nikolaus Gelpke und dem gesamten Team bei Mare bedanken, diese Kampagne ermöglicht zu haben. Es ist für mich jetzt eine persönlich Verpflichtung nächstes Jahr möglichst viele Erfolge einzufahren, um mich für dieses Vertrauen zu bedanken!!




